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Der Hasunger Berg im Mittelalter - Besiedelung PDF Drucken
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Besiedelung
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Im Mittelalter ist die Geschichte des Berges untrennbar mit der Figur des heiligen Heimerad und dem späteren Kloster verbunden.

Besiedelung 

Im Jahr 1017 erreichte Heimerad den Berg, der zu diesem Zeitpunkt schon besiedelt sein muss, denn er bittet die Einwohner um Erlaubnis, dort ein bereits bestehendes Wohnhaus zu beziehen und sich um eine ebenfalls vorhandene Kapelle zu kümmern.

Neben den schon angesprochenen Einwohnern wird in seiner Vita auch von einem jungen Kleriker berichtet, der ihn von Anfang beneidete und deswegen Unrecht zufügt. [1] 

[1] Der Ring von Bischof Aribo
[1] Der Ring von Bischof Aribo
Nach Heimerads Tod wird von Bischof Aribo von Mainz ein „Monasterium“ auf Grund der Pilgerströme, die Heimerads Grab aufsuchen, zu dessen Ehren errichtet. Worum es sich bei einem „Monasterium“ handelt, ist dabei nicht klar. Möglicherweise um eine Kirche, ein Kloster oder eine klosterähnliche Anlage? Es kann nur gemutmaßt werden, es wird jedoch allgemein angenommen, dass es sich um eine Kirche mit Pfarrhof und einigen Klerikern handelte. Lampert berichtet, im Jahr 1071 habe sich Otto  von Northeim auf dem Berg verschanzt - und auf dem Dörnberg läge König Heinrich IV.
[2] König Heinrich IV. bittet seinen Taufpaten, Abt Hugo von Cluny, sowie Mathilde von Tuszien um Unterstützung (aus der 1115 fertig gestellten Lebensbeschreibung der Markgräfin Mathilde von Tuszien (Cod. Vat. Lat. 4922))
[2] König Heinrich IV. bittet seinen Taufpaten, Abt Hugo von Cluny, sowie Mathilde von Tuszien um Unterstützung (aus der 1115 fertig gestellten Lebensbeschreibung der Markgräfin Mathilde von Tuszien (Cod. Vat. Lat. 4922))
Aus dieser Zeit stammen möglicherweise die Terrassen und anderen Spuren von Befestigungen an der Westseite.
Im Jahr 1074 läßt Bischof Siegfried I. von Mainz eine neue Kirche, wahrscheinlich am Platz der alten im Jahr 1021 erbauten Kirche oder der Kapelle Heimerads, errichten [2] und gründet ein Kanonikerstift.
Im Jahr 1081 wird daraus unter dem 1. Abt Lampert von Hersfeld ein Kloster, welches beachtliches Ausmaß gehabt haben muss, denn im Jahr 1085 verlassen 50 oder 70 Mönche das Kloster unter Lamperts Nachfolger Abt Giselbert gen Hirsau, von wo aus nur wenige Jahre zuvor 12 Mönche mit dem Prior Dietrich, der später einmal Beichtvater Kaiser Heinrich V. werden sollte, nach Hasungen entsandt worden waren. Wenn die Zahl 70 stimmt (die Quellen widersprechen sich in diesem Punkt), dann kann mit einer Zahl von 100 Mönchen im Jahr 1085 gerechnet werden. [1]
Nach dem Abzug der großen Gruppe von Mönchen blieb wohl nur ein Rest von ehemaligen Kanonikern. Später zogen wohl wieder Hirsauer in Hasungen ein, denn die Hasunger Privilegien wurden im Sinne der Hirsauer überarbeitet.
Vieles deutet auf ein großes Klosterkonvent, dem sich zahlreiche Laien in unterschiedlich starker Bindung anschlossen, hin. Die Klosterschule, in der auch nichtchristliche Literatur gelesen wurde, war anerkannt und von gutem Ruf.

Auf dem Berg befanden sich vermutlich drei Kirchen:
Es handelt sich dabei vermutlich um die St. Michaels-Kapelle von 1074, die Klosterkirche St. Peter und Paul und eine etwas niedriger gelegene, bis 1800 als Dorfkirche betriebene Pfarrkirche.
Auf dem Berg befanden sich neben dem Turm und den drei Kirchen noch das Wohnhaus des Abtes, Aufenthalts- und Schlafräume für die um die 70 Mönche, eine Herberge, ein Kranken-, ein Bäder- und ein Brauhaus, sowie Unterkünfte für Handwerker und Dienstpflichtige. Diese Gebäude waren in verschiedenartigem baulichen Zustand, weil sie nicht zu gleicher Zeit, sondern nach und nach entstanden waren. [3]
Das Kloster war von einer Mauer umgeben und hatte einen gepflegten Klostergarten.

Einen Überfall gab es im Jahr 1206 durch die Besitzer des Gudenbergs und des Schartenbergs, wobei die beiden Ritter das Kloster Hasungen erheblich beschädigten. Empfindlichen Schaden fügten entzürnte Bürger dem Kloster auch 1306 in einer Fehde zu, woraufhin einige Klostergebäude wegen Brandschadens gänzlicher Erneuerung bedurften. Auch 1330 gab es einen Streit mit Zierenberg, worunter die sowieso schon baufälligen Gebäude erneut erheblich litten. Eine neu erbaute Klosterkirche wurde 1336 geweiht und auch die anderen Gebäude renoviert – durch Holz, welches von Zierenbergern geliefert werden musste.

[3] Philipp der Großmütige von Hessen
[3] Philipp der Großmütige von Hessen
Viele der Mönche stammten aus ansässigen Adelsfamilien und im 14. und 15. Jahrhundert scheint es so, als ob der eigentliche Reiz zum Eintritt in das Hasunger Kloster die damit verbundenen Aufstiegschancen und das gesellschaftliche Ansehen gewesen wären. In dieser Beziehung war Hasungen ein durchaus elitäres Kloster, in dem erst 1490 ein reicher Bürgersohn Abt wurde. Konrad von Wittenberg bemühte 1318 keinen geringeren als Kaiser Ludwig IV. zum Fürsprecher seines Eintritts in Hasungen. [4]

Im Zuge der Reformation verließen 1527 die letzten 16 Mönche das Hasunger Kloster, welches durch Landgraf Philipp aufgehoben worden war. Damit endete die Zeit des Klosters und der Mönche auf dem Hasunger Berg.



 
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