Die Geschichte des Hasunger Berges
Seit jeher übt der Hasunger Berg, etwa 15 km westlich von Kassel, eine besondere Faszination auf die Menschen aus. Suchten sie in der Vergangenheit das Grab des Heiligen Heimerad auf, um Segen zu empfangen, so können heute der Weitblick und die Idylle auf dem Berg gefunden werden.

Über die Bedeutung des Berges in vorgeschichtlicher Zeit ist wenig bekannt; er könnte einst eine Großburg in der Merowingerzeit gewesen sein. [1] Heimerad, ein unsteter Wanderprediger aus Meßkirch (Schwaben), fand auf dem Berg zur Ruhe. Er fand endlich einen Platz, „an dem es Gott wohlgefiel, dass er dort wohne“ und ließ sich 1017 auf dem Plateau nieder, um die dortige Michaelskappelle zu versorgen. Nach seinem Tod am 28. Juni 1019 wurde sein Grab zu einem beliebten Ziel von Wallfahrten, so dass im Jahr 1021 ein „Monasterium“  - wohl eine Kirche mit Pfarrhof und einigen Klerikern, die den Wallfahrtsbetrieb übernahmen [2] - über Heimerads Grab errichtet wurde. Am 30.9.1074 versammelten sich zahlreiche Persönlichkeiten des weltlichen und geistlichen Standes: Grafen, Domherren, adlige Grundbesitzer, Priester – und Erzbischof Siegfried I. von Mainz. Er hatte die Versammlung einberufen, um mit ihr an diesem Tag die Weihe der von ihm erbauten Kirche zu feiern. Die Urkunde, die von diesem feierlichen Vorgang berichtet, ist die Gründungsurkunde des Kanonikerstifts auf dem Hasunger Berg. 10 Jahre später, am 16.2.1084, wurde der Leichnam Erzbischof Siegfrieds I. von Mainz nach Hasungen überführt und dort bestattet.

[1] Abdruck des Siegels des Klosters Hasungen
[1] Abdruck des Siegels des Klosters Hasungen
Um 1077 begann der Prozess zur Umwandlung des Stifts in ein Benediktinerkloster, welcher 1081 unter dem 1. Abt Lampert von Hersfeld abgeschlossen wurde. Mit Lampert hatte eine weitere bedeutende Persönlichkeit den Hasunger Berg erreicht. Er gilt heute dank seiner Annalen als bedeutender, wenn nicht sogar als der bedeutendste Geschichtsschreiber des 11. Jahrhunderts [3] und als bedeutendster Literat unter den Geschichtsschreibern des Mittelalters.[4]

Doch schon im Jahr 1085 verließen auf Grund eines Konflikts mit Siegfrieds Nachfolger Wezelo 50-70 Mönche unter Lamperts Nachfolger Gisilbert und wohl mit den meisten Urkunden und Buchschätzen das Kloster gen Hirsau. Die verbliebenen Mönche unter dem alten Hasunger Kanoniker Abt Wigbert litten große Not.

[2] Plan zum Umbau der Klostergebäude (1631)
[2] Plan zum Umbau der Klostergebäude (1631)
Die wechselvolle Geschichte der folgenden Jahrhunderte sah eine Blütezeit im 12. Jahrhundert, in der das Kloster und die Klosterschule großes Ansehen genoss. Doch auch wirtschaftliche Schwierigkeiten, den Rückgang des Wallfahrtsbetriebs und eine Brandstiftung Zierenberger Bürger prägten das Hasunger Kloster bis zu seiner Aufhebung und Säkularisierung im Zuge der Reformation im Jahr 1527.
Es folgte der Abriss baufälliger Gebäude im Jahr 1617. Im 30jährigen Krieg (1618-1648) wurden der Ort Burghasungen und die ehemaligen Klostergebäude insgesamt sechsmal überfallen und geplündert und 1637 während des Überfalls einer marodierende Bande noch einmal ein Opfer der Flammen. Die Pläne zur Umwandlung der Klostergebäude in ein Jagdschloss durch Landgraf Moritz von Hessen-Kassel, genannt der Gelehrte, im Jahr 1631 scheiterten.

[3] Die Kirche von Burghasungen
[3] Die Kirche von Burghasungen
Als letzte Zeugen des Klosters fanden sich zum Ausgang des 18. Jahrhunderts die alte Michaelskapelle und der Turm auf dem Berg. Doch die Kapelle, die noch immer für den Gottesdienstbetrieb genutzt wurde, war baufällig und wurde im Zuge des Kirchenneubaus (1795-1800) abgerissen.

[4] Zeichnung von Burghasungen (um 1820)
[4] Zeichnung von Burghasungen (um 1820)
 Der Turm erhielt nur geringe Aufmerksamkeit. Am 1. Juli 1876 wurde er vom Blitz gespalten und stürzte im Winter 1896/97 während eines heftigen Sturms in sich zusammen. Ein verbliebener Mauerrest ragte noch bis 1946 in den Himmel. Nach seinem Einsturz erinnerten nur noch die kümmerlichen Steinhaufen auf dem Berg an das Kloster, von dem noch 1655 bezeugt ist, dass es einst „sehr köstlich und wunderbar erbauet gewesen ist.“ „Es mag dieses Gebäude wohl vorhin eines der allervornehmsten in Hessen und benachbarten Landen gewesen sein.“ [5]

Eine Auseinandersetzung mit dem Kloster Hasungen kann heute in der wissenschaftlichen Literatur einerseits, andererseits im Klostermuseum in Burghasungen stattfinden. Eine weitere Möglichkeit möchte diese Internetseite bieten, die einen kleinen Beitrag dazu leisten möchte, die Geschichte anschaulich vorzustellen.

Rückmeldungen, Hinweise und Verbesserungsvorschläge werden gerne entgegengenommen.

Textquellen:

[1] Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland. Band 7. Stadt und Landkreis Kassel. F.-R. Hermann. Seite 183 ff. Verlag: Theiss
[2] Walter Heinemeyer: Heimerad und Hasungen - Mainz und Paderborn, Aus Reichsgeschichte und Nordischer Geschichte, hg. von H. Fuhrmann u.a., Stuttgart 1972, S. 112-130
[3] W. Heinemeyer, Burghasungen (Kr. Wolfhagen). In: G.W. Sante (Hrsg.), Hessen. Handbuch historischer Stätten Deutschlands 4 3.Auflage (1976) 69 f.
[4] Edmund E. Stengel: Lampert von Hersfeld. Der erste Abt von Hasungen, Aus Verfassungs- und Landesgeschichte, Festschrift für Theodor Mayer, Band 2 (1955), S. 245-258.
[5] Matthäus Merian, Topographia Hassiae, Frankfurt 2. Auflage 1655, S.28

Bildquellen:

[1] K. H. Rexrodt, G. Seib: Burghasungen 1074-1974, Zierenberg 1974, Rückseite
[2] Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel NF. 1 . Bd. Kreis Wolfhagen, hg. v. F. Bleibaum, Kassel 1937
[3] Andreas Pirali
[4] Staatsarchiv Marburg (zur Verfügung gestellt durch K. Schäfer, Burghasungen)

Kommentare:

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Für diesen Artikel sind 4 Kommentare vorhanden
No.1 Kein Titel
Als "alte" Burghasungerin habe ich mich sehr über den Artikel gefreut, Bekantes/Vertrautes wiedergefunden und Neues entdeckt.
Submitted by Gudrun Degenhardt, Unregistered • 10-08-2008 12:32:47
No.2 burghasunger berg - zwei fragen
hi,
hab mit großem interesse alles über das ehemalige kloster hasungen gelesen - und mir lag eine schöne informations-präsentation vor. in wolfhagen aufgewachsen, seit fast 40 jahren in der fremde wohnend ( im schwäbischen, der heimat des heimerad, aber an der nord-ostgrenze zum badischen hin ), bin ich dem nordhessischen bergland und seiner geschichte und kultur immer noch verbunden.
mehrere fragen habe ich an Sie :
1 - wie kommt/kam die "abgeschnittene" flache kuppe des hasunger berges zustande ?
2 - woraus speiste sich der teich, wo doch keine anhöhen vorhanden waren, so dass eine quelle hätte entstehen können ? war das wasser frischwasser ? wenn nicht, woher holten sich die mönche frischwasser ?
3 - gab es wirklich bachläufe neben dem kloster, wie auf der postkartenzeichnung ( rubrik : fundstücke ) zu sehen ist ? oder ist das nur annahme eines interessierten menschen von vor ca. hundert jahren ?
4 - gab es ein necessarium und welcher art war es ? was passierte also mit den menschlichen ausscheidungen ? ( bei klosteranlagen an fluss- oder bachläufen konnte dies ja gut geregelt werden. )
ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir auskunft geben könnten ...
... und ich grüße Sie sehr herzlich
klaus beilstein

beethovenstraße 1
75438 knittlingen

( ps : mit € 1000 beteilige ich mich an den baukosten eines neu zu errichtenden turms auf dem hasunger berg - d.h. ich werde besitzer eines der steine des turms. also : wie wär's ? )
Submitted by klaus christian beilstein, Unregistered • 19-06-2009 22:09:45
No.3 Re: burghasunger berg - zwei fragen
Hallo Herr Beilstein,

vielen Dank für Ihren netten Kommentar.
Es freut mich, dass Sie Interesse an der Geschichte des Klosters haben.
Zu Ihren Fragen:

1 - wie kommt/kam die \"abgeschnittene\" flache kuppe des hasunger berges zustande ?
— klaus christian beilstein

Der Burghasunger Berg ist ein Tafelberg-Vulkan. Tafelberge sind oben abgeflacht und entstehen bei Ausbrüchen unter dem Eis. (http://www.vulkane.net/vulkanismus/vulkanologie.html)

2 - woraus speiste sich der teich, wo doch keine anhöhen vorhanden waren, so dass eine quelle hätte entstehen können ? war das wasser frischwasser ? wenn nicht, woher holten sich die mönche frischwasser ?
— klaus christian beilstein

Das Frischwasser holten die Mönche vermutlich aus einer Quelle aus dem Wald (dem Hundeborn) und brachten es auf Eseln der Berg hinauf (über den Eselspfad). Es gab mehrere Brunnen auf dem Berg, aber das Wasser, welches sich wohl aus dem Teich speiste, wurde wohl hauptsächlich zur Bewässerung der Gärten etc. verwendet.
Der Teich speist sich vermutlich aus dem Wasser, welches sich auf dem Bergplateau sammelt. Wahrscheinlich ist, dass das Wasser wie in einem das Plateau nahezu vollständig abdeckenden Trichter im Teich zusammenläuft.

3 - gab es wirklich bachläufe neben dem kloster, wie auf der postkartenzeichnung ( rubrik : fundstücke ) zu sehen ist ? oder ist das nur annahme eines interessierten menschen von vor ca. hundert jahren ?
— klaus christian beilstein

Die Zeichnung ist sehr fundiert und daher nehme ich an, dass in den alten Quellen über Bewässerungskanäle geschrieben wird, die sich auf dem Berg befanden. (Also keine Bachläufe sondern Bewässerungskanäle)

4 - gab es ein necessarium und welcher art war es ? was passierte also mit den menschlichen ausscheidungen ? ( bei klosteranlagen an fluss- oder bachläufen konnte dies ja gut geregelt werden. )
— klaus christian beilstein

Gute Frage! Leider habe ich dazu keinerlei Information. :-(

( ps : mit € 1000 beteilige ich mich an den baukosten eines neu zu errichtenden turms auf dem hasunger berg - d.h. ich werde besitzer eines der steine des turms. also : wie wär\\\\\\\'s ? )
— klaus christian beilstein

Ein verlockendes Angebot. Mal sehen, was die Historiker dazu sagen...

Ich hoffe, meine Antworten helfen Ihnen weiter.

Viel Spaß noch mit der Geschichte.

Viele Grüße,
Andreas Pirali
Submitted by Andreas Pirali, Unregistered • 08-07-2009 08:46:25
No.4 Prof.Dr.
Liebe Freund des Klostes Hasungen,
oft kam ich vorbei teils mit dem Auto und teils mit dem Rucksack. Jedesmal hat mich dieser mystische Ort fasziniert und viele Fragen hinterlassen. Was geschah wirklich 1637 oder in den schlimmen Kriegsjahren zuvor? Warum wurde nicht gegraben bzw rekonstruiert?
Zur Aufbewahrung bes von Lebensmitten hatten alte Burg und Klosteranlagen Kellergewölbe. Gibt es dazu Erkenntnisse? Birgt die Anlage immer noch Schlimmes aus dem 30 järigen Krieg?
Submitted by Hans Henning Wetz, Unregistered • 29-10-2010 13:25:06
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